Samstag, 4. Juni 2011

Zwangsbeglückt

Du sollst: Müll trennen, guten Gewissens E10 tanken, alle vier Jahre wählen, auf Ökostrom umstellen, eine Familie gründen, Kinder bekommen, konsumieren, das BIP steigern. 

Du sollst nicht: in Kneipen rauchen, Frauen und andere Minderheiten diskriminieren, unangeschnallt und/oder zu schnell Auto fahren, jammern...

..., sondern dankbar sein. Denn dein Staat tut so viel für dich. Er führt das Rauchverbot ein und schützt damit deine Gesundheit. Er verabschiedet das Antidiskriminierungs-gesetz und garantiert dir so gleiche Rechte. Er beschleunigt den Atomausstieg und schenkt dir damit zwar kein sauberes, aber immerhin ein angstfreies Gewissen. Er subventioniert Solarstrom, Vätermonate, Sparbeträge, Mitarbeiterbeteiligungen und Elektroautos. Der Staat macht dich zu einem besseren Bürger. Ob du willst oder nicht. Wer das als „Zwangsbeglückung“ empfindet, hat nichts verstanden! Oder alles. Die ZEIT spricht von einem Tugendstaat, der auf sanft-tyrannische Art das Volk belehrt.

Und genau so sieht es aus. Die Deutschen scheinen nicht mehr fähig, selbst zu entscheiden, wie moralisch, gesund und umweltbewusst sie leben wollen. Immer mehr wird vorgeschrieben. Immer mehr lassen wir uns vorschreiben! Ich empfinde es als anmaßend, wenn mich mein Auto dauerpiepsend daran erinnert, mich anzuschnallen. Ich kann selbst denken und selbst entscheiden. Das muss mir niemand abnehmen. Keine neue Technik und auch kein Staat. Wir sollen uns empören? Das tue ich! Wer macht mit?  

Kommentare:

  1. Ich mache mit...zuerst tauschen wir das Auto gegen einen 70er Jahre Diesel - anschnallen und E10, was war das nochmal??? Und zu guter Letzt fahren wir unangeschnallt und mit einer dunklen Dieselwolke zu einer gelben Tonne und werfen Hausmüll rein. Individualität ist schließlich was man daraus macht...

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  2. Natürlich sind noch ein paar Deutsche fähig,selbst zu entscheiden. Es scheint jedoch, dass sie mittlerweile in der Minderheit sind.Wir leben in einem Land, in dem die BILD die meistverkaufte Tageszeitung ist. Ein Wurstblatt erzählt der Mehrheit,was moralisch, gesund und umweltbewusst ist.Die Politik reagiert nur. Und Frau Merkel hat es zur ausschliesslichen politischen Entscheidungsfindung erhoben, auf Volkes Stimme zu reagieren.Da gibt es keine Linie, kein Grosses und Ganzes, da gibt es nur noch die aktuellen Umfragen.Wenn das keine repräsentative Demokratie ist! Ich glaube nicht mehr an "Die Weisheit der Vielen" ich glaube, diesem Land würde etwas mehr Anarchie gut tun. Also, empört euch! Ihr ändert sowieso nichts.

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  3. Auch ich werfe meinen Hausmüll selten in die gelbe Tonne. Und mir ist durchaus bewusst, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen oft auch Sinn machen. Mehr oder weniger halten wir uns ja alle doch an die Regeln. Nur sollten wir diese eben hin und wieder hinterfragen und nicht jede Vorschrift als „alternativlos“ hinnehmen. Ich plädiere damit für eine „aufgeklärte Anarchie“, die immer wieder neu abwägt, welche Regeln die Gemeinschaft fördern (und damit befolgt werden sollten) und welche Regeln nur bevormunden (und damit boykottiert werden dürfen).

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